Wendezeit: Wie beeinflussen Krisen die Gesundheit?
Shownotes
Welche langfristigen Auswirkungen haben politische und wirtschaftliche Umbrüche auf die Gesundheit und wen betreffen sie besonders? Darüber spricht die Sozialwissenschaftlerin und Demografin Lara Bister in dieser Folge mit Liz Remter. Lara forscht derzeit am WZB in Berlin und beschäftigt sich mit den sozialen und gesundheitlichen Folgen gesellschaftlicher Transformationsprozesse.
Im Rahmen ihrer Dissertation hat sie untersucht, welche langfristigen gesundheitlichen Auswirkungen die Zeit nach der Wiedervereinigung auf die sogenannten Wendekinder aus Ostdeutschland hatte. Ihre Ergebnisse zeigen, wie eng individuelle Lebensverläufe, familiäre Prägungen und gesellschaftlicher Wandel miteinander verwoben sind und welche Erkenntnisse sich daraus auch für aktuelle Entwicklungen ableiten lassen.
Fragen zum Podcast und den Themen gerne per Mail an dsp@koerber-stiftung.de. Alle Infos zum Deutschen Studienpreis findet ihr hier.
Listen to Wissen ist ein Podcast der Körber-Stiftung und ByteFM.
Tracks:
Freundeskreis – Leg Dein Ohr Auf Die Schiene Der Geschichte
Kraftklub – Karl-Marx-Stadt
Bonobo – No Reason
Acopia – Falter
DIIV – Doused
Transkript anzeigen
00:00:01: Hallo ihr Lieben und herzlich willkommen zu einer neuen Folge Listen to Wissen.
00:00:04: Ich bin der Sremter, Musik- und Kulturjournalistin vom Radiosender Byte FM.
00:00:09: Schön dass ihr dabei seid!
00:00:15: In dieser Folge habe ich mit Lara Bista gesprochen.
00:00:18: Sie hat im vergangenen Jahr den deutschen Studienpreis gewonnen in der Kategorie Sozialwissenschaften.
00:00:24: Sie beschäftigt sich mit Wirtschaftskrisen und mit Gesundheit, aber vor allem mit Menschen.
00:00:29: Mit Familien, mit Erfahrung aus der Kindheit die oft viel länger nachwirken als man denkt.
00:00:37: Was macht eine Wirtschaftskrise eigentlich mit uns lange nachdem die Schlagzeilen verschwunden sind?
00:00:42: Und was passiert wenn man so eine Krise nicht als erwachsene Person erlebt sondern als Kind?
00:00:50: Genau das hat Lara in ihrer Forschung untersucht.
00:00:52: sie hat sich die sogenannten Wendekinder angeschaut.
00:00:56: Ostdeutsche ließ zur Zeit der Wiedervereinigung Kinder oder Jugendliche
00:01:00: waren.
00:01:00: Ihre zentrale These – Wirtschaftskrisen sind nicht nur eine finanzielle Belastung, sie können auch die Gesundheit
00:01:06: beeinflussen
00:01:07: und das über viele Jahre hinweg!
00:01:12: Im Gespräch erzählt Lara warum die neunziger Jahre für eine ganze Generation noch lange nicht vorbei sind welches Ergebnis sie überrascht hat und was wir daraus für heutige Krisen lernen können.
00:01:24: Außerdem verrät sie, welche Musik Sie während ihrer Forschung begleitet und warum die Songzeile «Anything is connected to anything» ziemlich
00:01:31: gut beschreibt
00:01:32: wie ihre Forschung funktioniert.
00:01:34: Los geht's!
00:01:41: Lara, wir wollen ja heute ein bisschen über dich sprechen.
00:01:43: Über deine Forschung und auch über Wissenschaft.
00:01:46: Im vergangenen Jahr hast du den deutschen Studienpreis in der Kategorie Sozialwissenschaften gewonnen.
00:01:52: Den ersten Platz hast du mit einer Arbeit erreicht, in der du dich mit den langfristigen gesundheitlichen Folgen der sogenannten Wendekinder beschäftigst.
00:02:00: Bevor wir dort einsteigen ... Du bist Sozialwissenschafterin, Demografin um genau zu sein?
00:02:05: Was verbirgt sich konkret dahinter?
00:02:07: Was kann man sich darunter vorstellen?
00:02:09: In der Demografie beschäftigen wir uns ganz, ganz doll runtergebrochen damit.
00:02:14: Wer in einer Bevölkerung wird oder wie viele Menschen werden geboren?
00:02:17: Wie viele Menschen sterben?
00:02:18: Wie viel Menschen migrieren aus der Bevölkerung heraus oder hinein?
00:02:23: Das ist eigentlich so die traditionelle Art von Demographie.
00:02:27: Natürlich wissen wir alle zwischen Geburt und dem Tod passieren ganz, Und da gibt es eben bestimmte Unterdisziplinen der Demografie, wie die Sozialdemografie.
00:02:37: Wo es um alle sozialen Prozesse geht, die unsere demographischen Events im Leben beeinflussen und ich schaue mir da ganz besonders die Gesundheit an.
00:02:47: Wenn
00:02:48: man sich deinen Werdegang anschaut, wundert man sich vielleicht was nämlich ganze zwei Masterabschlüsse gemacht?
00:02:53: Wie kam's denn dazu?
00:02:55: Genau, ich habe erst einen Master in den Niederlanden gemacht zu Demografie oder Bevölkerungswissenschaften und fand das ganz, ganz spannend.
00:03:03: Und habe aber gemerkt mir vielen methodische Kenntnisse.
00:03:06: Ich hatte vorher habe ich eben Sozialwissenschaft mit Schwerpunktsoziologie studiert und wer sich ein bisschen damit auskennt weiß dass man da sehr viel mit Statistik und Mathe arbeiten kann, aber nicht muss Und ich hatte mich da für so einen Mischweg entschieden.
00:03:19: Ich habe auch mit qualitativen Interviews gearbeitet in meiner Bachelorarbeit, also eher eins zu eins Gespräche, die man dann inhaltlich ganz detailliert auswertet und habe in meinem Studium der Bevölkerungswissenschaften in Niederlanden gemerkt, dass mir einfach viel Wissen noch zu Statistik und Mathe fehlt und hab dann entschieden eben noch einen zweiten Master zu machen, wo ich eben ein bisschen aufhole mit diesen methodischen Kenntnissen.
00:03:45: War dir als Jugendliche schon klar, dass du diesen wissenschaftlichen Weg gehen möchtest?
00:03:51: Dass du in die Forschung möchtesst.
00:03:52: Überhaupt nicht!
00:03:54: Ich hatte keine Ahnung... Irgendjemand hat mal zu mir gesagt, ich könnte mir auch vorstellen, dass man irgendwann eine Doktorin wird.
00:04:00: Also promovier es nicht.
00:04:01: Ich dachte immer nie auf gar keinen Fall.
00:04:03: Das ist überhaupt nicht meins.
00:04:04: Ich bin doch eher so praktisch.
00:04:05: Ich hatte diese Idee von Wissenschaftlern im Kopf, ganz viel einfach nur alleine in ihrem Kämmerchen sitzen und nachdenken.
00:04:14: Ich wusste gar nicht so richtig, dass es eben auch diese, naja fast schon Hands on empirischen Wissenschaften gibt wo man eben auch viele Datenarbeits-Experimente macht und habe dann erst so nach und nach im Studium gemerkt das mir sehr, sehr viel Spaß macht.
00:04:31: Du hast Musik aus deiner Jugend mitgebracht.
00:04:34: Freundeskreis, eine Hip-Hop-Gruppe auf Stuttgart machen etwas das ich Conscious Rap nennt also Rap der politisch und sozialkritisch motiviert ist.
00:04:43: Der bekannteste Name aus der Gruppe ist wahrscheinlich Max Herrre.
00:04:46: du hast von Freundes Kreis den Song Leg dein Ohr Auf die Schiene der Geschichte Mitgebracht.
00:04:51: Warum genau der Song?
00:04:52: Ja ich hab vor der Sendung natürlich ein bisschen in den Liedern gestöbert oder in der Musik gestöpert, die ich gerne als also in jungen Jahren als Teenager gehört habe.
00:05:01: Und Freundeskreis war eben wirklich eine meiner Lieblingsgruppen und der Song hat mich direkt auch so an meine Teenagers Zeit wieder erinnert, als ich auf den gestoßen bin weil ich war sehr geschichtsinteressiert damals.
00:05:12: Ich hatte Geschichte-Leistungskurs hab mich im Heimatverein bei uns engagiert um Holocaustgeschichte noch weiter aufzuarbeiten in meiner Heimatstadt.
00:05:22: und ja das hat mich irgendwie nochmal ein bisschen auch dran erinnern was ich ja in meiner Promotionsforschung auch mache, dass ich mir eigentlich ein geschichtliches Event angucke.
00:05:31: Dazu eben aber heute noch relevante Auswirkungen mehr anschaue und ich glaube das wir einfach viel aus der Geschichte lernen können.
00:05:39: Und egal worum es geht, dass wir das nicht vergessen sollten, dass da auch eben das mit großen Lektionen lernen können und vielleicht dann auch verhindern können, dass bestimmte schlimme Ereignisse oder Folgen von politischen Events sich dann wieder genauso wiederholen.
00:05:55: Und in genau diesen Song hören wir jetzt mal rein.
00:05:57: You're just a part of it, so get to the heart of it.
00:06:06: cause if
00:06:32: you don't go.
00:06:44: Anything
00:06:53: is connected to anything heißt es am Ende von diesem Song von Freundeskreis.
00:06:57: Alles ist mit allem verbunden, würdest du das aus deiner Perspektive als wissenschaftlerin unterschreiben?
00:07:03: Ja
00:07:03: total!
00:07:04: Das ist auch glaube ich eine der größten Herausforderungen wenn man sozialwissenschaftliche oder sociologische Forschung betreibt.
00:07:13: Am Anfang denkt man, okay ich habe hier meine Forschungsfrage.
00:07:16: Es ist relativ einfach.
00:07:17: Ich gucke mir jetzt an wie sich Arbeitslosigkeit der Eltern auf die Gesundheit von jemandem ausgewirkt hat.
00:07:23: Das klingt erstmal so einfach aber je mehr man sich anfängt damit zu beschäftigen, wie mäßig das denn?
00:07:28: Wie konzipiere ich denn so eine Studie, desto mehr merkt man eigentlich... gehört alles zusammen, sowohl Merkmale die eine Person oder einen Umstand mitbringt dann der Kontext in dem das passiert beispielsweise.
00:07:39: In welchem Land passiert denn diese Arbeitslosigkeit zum Beispiel?
00:07:42: Oder unter welchen Umständen?
00:07:44: ist es während einer Wirtschaftskrise zu guten Konjunkturzeiten?
00:07:49: Und dann ist es nicht nur anything is connected to anything, aber irgendwie auch anyone is connected.
00:07:55: Es geht ja da nicht mehr nur um die Eltern, die arbeitslos werden und dann die Kinder, die man sich anschaut sondern eigentlich auch was?
00:08:01: in was für einem Umfeld wachsen diese Kinder denn auf?
00:08:04: Welche anderen Menschen sind da vielleicht noch drum herum, die bestimmte Unterstützungsleistungen in so schwierigen Zeiten aufnehmen können.
00:08:11: oder gibt's noch andere Böden, die die Familie während dessen trägt beispielsweise die Pflege von Angehörigen?
00:08:17: also Das ist eigentlich auch recht sinnbildlich für meine Forschung dieser Texteile.
00:08:23: Leg dein Ohr auf die Schiene der Geschichte, das hast du ja in deiner Dissertation gemacht und du hast es gerade schon ein bisschen zusammengefasst.
00:08:29: Du hast untersucht wie sich vor allem Wirtschaftskrisen auf die Gesundheit von Familien auswirken.
00:08:34: im Fokus stand bei dir die deutsche Wiedervereinigung und deren gesundheitliche Folgen für die sogenannten Wendekinder aus Ostdeutschland.
00:08:42: Was hast du in deinen Worten genau untersucht?
00:08:45: Also, genau untersuchten wir eigentlich wie sich diese Wendezeit also die Zeit nach der dem Mauerfall und nach der Wiedervereinigung Anfang der nineteen neunzehnundneinziger Jahre in Ostdeutschland.
00:08:57: Wie diese Zeit dir ganz besonders von Wirtschaftsrückgang Und vielleicht auch wirtschaftlicher Perspektivlosigkeit aber eben auch von anderen politischen und infrastrukturellen Umbrüchen geprägt war.
00:09:12: körperliche, aber auch stressbezogene Gesundheit von damals noch Kindern und Jugendlichen, die in Ostdeutschland gelebt haben.
00:09:21: In deren jungen Erwachsenenalter auf die Gesundheitsausbezug.
00:09:25: Also eine Art Langzeitperspektive auf die Gesundheit und die Folgen, die eben aus dieser Zeit mitgetragen
00:09:31: wurden.
00:09:31: Wie bist du auf dieses Thema gekommen?
00:09:33: Gab es bei dir einen Ausschlaggebenden Punkt wo du gedacht hast?
00:09:36: damit muss ich mich jetzt beschäftigen Also
00:09:38: das Thema meiner Doktorarbeit war eben Wirtschaftskrisen und Gesundheit im Familienkontext.
00:09:42: Und ich glaube, der ausschlaggebende Punkt war, dass ich angefangen habe mit mir dann erstmal so ein bisschen Überblick am Anfang der Promotionszeit zu verschaffen.
00:09:51: was gibt es denn überhaupt schon für Forschung?
00:09:53: Wo fehlt vielleicht noch Wissen?
00:09:55: Ich wollte eigentlich auch gerne etwas zu Deutschland machen und damit arbeiten und ich wusste, dass es eine große Wirtschaftskrise gab nach der Wiedervereinigung in den ostdeutschen ehemaligen DDR-Regionen Und war dann ganz überrascht, dass es da relativ viel zu der Sterblichkeit beispielsweise von Erwachsenen und älteren Erwachsenden gab.
00:10:14: Aber gar nicht so viel beziehungsweise gar nichts zu den Gesundheitsfolgen für junge Menschen diese Wendekinder eben.
00:10:21: Das ist ja eigentlich recht erstaunlich das es dazu noch nichts gab oder?
00:10:24: Ja also ich war wirklich auch geschockt.
00:10:26: damals hab dann aber bei meiner Arbeit relativ schnell gemerkt woran es gelegen haben könnte.
00:10:33: natürlich ist die Daten verfügbarkeit einfach viel besser geworden vor allem in den letzten zehn bis fünfzehn Jahren, würde ich sagen.
00:10:40: Also viele der Daten die ich benutzt habe, die gab es Anfang der zweitausender gar nicht.
00:10:44: oder erst durch spätere Verknüpfungen von Daten war's mir möglich diese Datenquellen die ich benutzt hab eben so zu nutzen dass sich auch diese Wendekinder ein Ostdeutschland identifizieren konnte.
00:10:56: überhaupt?
00:10:57: Vielleicht kurz zur Einordnung wenn du von Wendenkindern sprichst welche Kinder sind konkret damit in deiner Arbeit gemeint?
00:11:03: Also in meiner Arbeit meine ich damit Menschen, die zum Zeitpunkt der Wiedervereinigung entweder höchstens siebzehn Jahre alt waren.
00:11:10: Also neunzehntundertdreiundsiebzig oder später eben bis neunzelneutneunundachtzig in den damaligen DDR geboren wurden oder in einem Teil meiner Arbeit auch jene Kinder, in den ersten Jahren, nach der Wiedervereinigung bis zu fourneunzig in den ehemaligen DDR-Gebieten oder neuen deutschen Bundesländern dann geboren wurden.
00:11:31: Was waren denn so allgemein nach der Winne die Herausforderungen mit denen die Menschen damals gekämpft haben und die dich vielleicht auch da noch zu dieser These geführt haben?
00:11:39: Also die Herausforderung auf individueller Ebene waren vor allem diese ... eine Perspektivlosigkeit also nach der Wiedervereinigung.
00:11:47: das war natürlich erst mal ein freudiges Ereignis dass man eben bestimmte politische und gesellschaftliche Strukturen, die für die Menschen nicht so vorteilhaft waren.
00:11:56: Dass man die los geworden ist, dass man wieder ein Verein des Deutschland hatte, das es eben eine Reisefreiheit gab.
00:12:01: Man auch Freunde und Verwandte aus Westdeutschland oder aus Deutschland je nachdem von welcher Richtung wieder treffen konnte.
00:12:08: also das waren auf jeden Fall erstmal positive Ereignisse.
00:12:10: gleichzeitig war die Wiedervereinigung natürlich auch gezeichnet von der riesigen Herausforderung, dass mal diesen ganzen existierenden Staat der ehemaligen DDR jetzt irgendwie wieder mit dem westdeutschen staat der bundesrepublik deutschland zusammenbringen musste und da hatte man ja eine ganz andere wirtschaftliche struktur.
00:12:27: also es war alles verstaatlich.
00:12:28: das heißt es gab keine privaten unternehmen.
00:12:31: die verstaartlichen Unternehmen waren teilweise hoch verschuldet oder eben nicht rentabel.
00:12:36: das heißt dass zusammenzubringen mit einer freien marktwirtschaft das war enorm herausfordernd für alle Menschen, die da eben involviert waren.
00:12:44: Und das hat leider dazu geführt dass viele Betriebe geschlossen werden mussten in Ostdeutschland oder umstrukturiert wurden teilweise wegrationalisiert worden und es hat zu einem erheblichen Einbruch der Wirtschaft und auch einen großen Arbeitsplatzverlust und hohen Anstieg der Arbeitslosigkeit geführt.
00:13:00: also Für Menschen individuell in den damaligen Gebieten hat das bedeutet entweder wurde der Job schnell war der Job nicht mehr existent Oder es war klar, der Job wird in den nächsten zwei bis drei Jahren noch wegfallen oder man wusste überhaupt nicht was passiert.
00:13:15: Also ich glaub diese Zukunfts-Sorgen das war glaube ich eine der treibenden und auch ja wirklich reale Existenzängste die damit zusammenhängen.
00:13:24: Das war wirklich eine treibende Kraft damals.
00:13:26: Und hinzu kam dass viele Menschen dort eben auch abgewandert sind entweder vor aus dem ländlichen Raum in Ostdeutschland In die Städte aber ganz ganz viele eben auch nach Westdeutsche Naja, ich sage es jetzt mal ganz überspitzt.
00:13:41: Endzeitmäßige Zustände dass man merkt alle gehen weg die Wirtschaft flugiert nicht mehr Man fühlt sich vielleicht irgendwie ja auch nicht handlungsfähig machtlos und und Ja Ich glaube das ist so war so ein bisschen Die haupt negative stimmung zu der zeit in den gebieten der ehemaligen DDR oder dann ostdeutschen bundesländern.
00:14:02: Und hast du dir ja besonders die Kinder angeschaut aus dieser Zeit?
00:14:06: Was hat das denn für die Kinder bedeutet, weil das war jetzt erst mal für die ältere Generation, die schon gearbeitet hat.
00:14:12: Aber das hat ja auch Auswirkungen!
00:14:13: Ja also ich glaube für die kinder gab es da so verschiedene Perspektiven und Dinge.
00:14:18: Also natürlich die Jugendlichen, die vielleicht kurz vor dem Schulabschluss standen und denen der nächste Schritt eben die Berufsausbildung oder Wahl- oder Studiumswahl bevorstand hatte.
00:14:28: das sowohl vielleicht was Befreiendes, man konnte sich plötzlich aussuchen.
00:14:32: Das wurde nicht mehr für einen entschieden oder per Losverfahren.
00:14:36: Meistens war es doch in einer ehemaligen DDR weniger frei als dann eben in der Bundesrepublik Deutschland.
00:14:42: also da gab's auf jeden Fall eine große Freiheit plötzlich auch Reisefreiheit oder einfach dass man sich frei entscheiden konnte, was man eben tut mit seiner Zeit nach der Schulausbildung.
00:14:53: andererseits natürlich wenn man vor Ort geblieben ist, eine große, wie ich schon gesagt habe auch für da vielleicht für Jugendliche eine Perspektivlosigkeit.
00:15:00: Weil eben gar nicht so klar ist okay was passiert hier dann eigentlich in den nächsten Jahren?
00:15:05: In meiner Heimat und dann für die Kinder glaube ich das vor allem naja man bekommt ja trotzdem Dinge mit Man geht weiter zur Schule.
00:15:12: Das Schulsystem wird zwar langsam geändert aber man wird ja trotzdem weiter zu Schule geschickt.
00:15:17: Vielleicht merkt man dort es gibt viele Lehrerwechsel weil eben viele Lehrerinnen dann auch abgewandert sind.
00:15:22: Es gibt Systemenwechsel plötzlich vielleicht dann auch Sorgen, die durch die Lehrkräfte an die Kinder weitergegeben oder vermittelt werden.
00:15:30: Weil sie haben sich natürlich auch mit den Kindern ausgetauscht.
00:15:33: im Familienumfeld bekommt man diese Sorgen der Eltern wahrscheinlich mit oder um sich herum, also dass man weiß aus Schätzungen das bis zu vierzig Prozent der Familien mit Kindern in der Zeit Arbeitslosigkeit erfahren haben.
00:15:45: Das ist eine verdammt hohe Zahl!
00:15:47: Also wenn man sich überlegt, dass dann ja in einer Klasse sind es dann vier von zehn Kindern oder acht von zwanzig, also das ist enorm viel und das wirkt sich natürlich auch dann auf die Eltern aus wieviel wenn man eben viele Sorgen mit sich trägt.
00:16:02: Und dann hat man auch weniger emotionale Ressourcen, die man an seine Kinder weitergeben kann bis hin vielleicht, weil man wirklich stark betroffen von den eigenen Sorgen ist, dann einfach weniger Kapazitäten um die Kinder zu kümmern.
00:16:15: und diese starken Sorgen können natürlich auf die Kinder übertragen.
00:16:22: Du hast auch mit den Wennekindern gesprochen und Erfahrungsberichte studiert?
00:16:26: Es gibt einen Song der dabei mit dir besonders ... und zwar Kraftklub mit dem Song Karl-Marck statt.
00:16:33: Bevor wir drüber sprechen, hören wir jetzt einmal ganz kurz in diesen Song rein.
00:17:38: Lara, warum hat dieser Song mit dir resoniert?
00:17:41: Nachdem du mit den Wendekindern gesprochen hast und Erfahrungsberichte dir durchgeschaut hast?
00:17:46: Ja also ich habe zwar für meine Forschung wenig Erfahrungsgerichte gelesen aber immer wieder über meine Forschungen mit Wendenkindern gesprochen oder mit Naja Freunden Familienmitgliedern, bekannten Kolleginnen.
00:18:00: Die eben aus den ehemaligen DDR-Gebieten kamen dort geboren worden oder eben nach der Wende in den ostdeutschen Bundesländern geboren wurden.
00:18:06: und das ist ganz interessant denn es ist nicht.
00:18:09: also ich hatte mein Eindruck jetzt und deswegen auch die Verbindung zu dem Song.
00:18:14: Ich habe nicht das Gefühl dass Es eine große Wenn man das ja manchmal Ostergie gibt oder dass diese Menschen mit denen ich gesprochen habe, dass die viel irgendwie sich eine DDR zurückwünschen.
00:18:27: Aber dass es trotzdem so ein bisschen so ne ostdeutsche Identität vielleicht gibt.
00:18:31: und wenn ich jetzt offen an meine Forschung oder gerade diese Wendejahre zurückdenke dann finde ich ergibt das auch total viel Sinn weil Es war ja wirklich egal wer man war in der ehemaligen DDR.
00:18:41: nach dem Mauerfall und mit Anbeginn dieser Krisenjahres haben alle irgendwie das gleich erlebt.
00:18:47: Also waren der gleichen wirtschaftlichen Problematik ausgesetzt, sehr ähnliche Perspektivlosigkeit oder auch Zukunftsangst vielleicht und natürlich gab es da Unterschiede und manche Menschen individuell waren mehr betroffen als andere.
00:19:01: aber es ist fast wie so eine gemeinschaftliche kollektive Erfahrung dieser... dieser Menschen, die in der Zeit eben jung waren oder geboren wurden.
00:19:09: Oder sich dann auch mit ihren Familien, wenn sie erst Anfang der Neunziger geboren worden sind oder Ende der Achtziger daran zurück erinnern und ich hab fast das Gefühl dass es durch die Bank weg für alle von dort so eine Erfahrung ist und man gleichzeitig irgendwie auch ein bisschen, naja, so ne lokale Identität natürlich hat.
00:19:28: ja ich komme hier aus dem Teil von Sachsen Damals hieß die Stadt eben noch Karl-Marxstadt und ich mach da jetzt ein lustigen Song drüber.
00:19:38: Naja, aber das ist eben noch so was sehr Besonderes irgendwie auch hat, dass es da noch dieses Gedenken an diese Zeit, aber auch diese sowohl positiven als auch negativen Dinge, die damit verbunden werden gibt.
00:19:49: Wir haben eben schon bisschen über den wirtschaftlichen Zusammenbruch in Ostdeutschland gesprochen nach dem Mauerfall und was das für die Wendekinder bedeutet hat – auch Familie.
00:19:59: Unsere Gesundheit wird ja aber von vielen Faktoren beeinflusst, sei es Ernährung oder Bewegung oder genetische Voraussetzungen.
00:20:06: Alles greift da irgendwie ineinander?
00:20:08: Wie konntest du in deiner Forschung denn zeigen das ausgerechnet dieser wirtschaftliche Umbruch einen entscheidenden Einfluss auf die Gesundheit der Wendekinder hatte?
00:20:17: Also was ich gemacht habe gemeinsam mit meiner Kollegin war dass wir uns sekundär daten besorgt haben, sowohl vom Robert Koch-Institut.
00:20:27: Die haben einen großen Datensatz zum Monitoren der Gesundheit von Kinder und Jugendlichen in Deutschland und aber auch vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung und der Rentenversicherung der staatlichen in Deutschlands.
00:20:40: Sie haben jeweils Daten dazu zur selbsteingeschätzten psychischen, körperlichen Gesundheit, aber eben auch zu ökonomischen Umständen seit Also seit dem Jahr.
00:20:54: Und was wir hier gemacht haben in jeweils beiden Studien, die wir durchgeführt haben mit den Robert Koch Daten und den Umfrage- und Rentendaten war, dass wir versucht haben für die Kinder aus Deutschland oder die Wendekinderpersonen aus Ostdeutschland jeweils Vergleichspersonen in Westdeutschland zu finden.
00:21:11: Menschen, die im gleichen Jahr geboren sind das gleiche zugewiesene Geschlecht haben unter ähnlichen Bedingungen aufwachsen was die elterliche Bildung beispielsweise anbelangt oder die wirtschaftlichen Umstände im Haushalt also sowas wie verfügbare finanzielle Mittel und dass wir quasi wirklich so vergleichsvergleichsperson versucht haben zu verknüpfen.
00:21:33: Die angenommen unter sehr ähnliche Umständen aufgewachsen wären wenn es eben nicht diese großen diesen großen umbruch gegeben hätte für die ostdeutschen wende kinder.
00:21:43: und dadurch können wir eben mit verschiedenen statistischen auswettungsverfahren wirklich berechnen wie dieser einzig unterschied zwischen der effektgruppe den ostdeutchen wendekindern und dieser kontrollgruppe in best deutschen.
00:21:57: Kindern der gleichen Geburt, Jahrgänge.
00:22:00: Das ist der einzige Unterschied dann quasi den wir in den Daten haben und das kann man diesen Unterschied dadurch berechnen in den Gesundheitsmerkmalen die man sich anschaut.
00:22:09: Warum habt ihr euch genau für diese Daten entschieden?
00:22:12: Hätte es noch andere Möglichkeiten gegeben oder war das die einzige logische Konsequenz für euch.
00:22:17: Die Datensuche war tatsächlich abenteuerlich, dadurch dass eben noch niemand vorher an dieses Thema so reingetreten ist, konnte ich gar nicht sagen ah guck mal diese Wissenschaftler haben das so gemacht.
00:22:28: dann mache ich das jetzt auch so.
00:22:29: Ich musste tatsächlich ein bisschen mich durchwühlen und mal schauen was gibt es überhaupt für Daten?
00:22:34: also auch diese Daten die ich benutzt habe wurden niemals für den Zweck gesammelt, eine Wendekinder-Gesundheitsstudie zu machen.
00:22:42: Also es sind einfach Daten in denen die für ... na ja, eine gesamte oder die für die Forschungswelt bereitgestellt werden, die auch stark genutzt werden, auch in der Politikforschung und in der Gesellschaftsforschungen, in der Bildungsforschau.
00:22:56: Und diese Daten haben einfach alle zufällig den positiven Effekt für mir oder die positive Eigenschaft gehabt, dass sie alle Informationen hatten, die ich brauchte.
00:23:06: Also wo wurden die Kinder geboren?
00:23:09: In welchem Jahr wurden Sie geboren?
00:23:10: wie waren da die Familie an Umständen des Aufwachsens und hatten eben die wichtigen Gesundheitsmerkmale oder Messungen, die Ich für meine Studie gebraucht habe?
00:23:19: das heißt nach sehr viel Forscher habe ich mich dann für diese Datensätze entschieden weil sie eben am besten auf das Forschungsthema gepasst haben und gleichzeitig eine relativ hohe oder eine relativ große Stichprobe haben.
00:23:32: Also man braucht schon einige an so Probandinnen, oder TeilnehmerInnen von so Studien um auch wirklich am Ende verlässliche Ergebnisse erzielen zu können.
00:23:42: und das war dann eben gegeben durch diese Datensätze zum Glück.
00:23:46: Wie lange hat es bei dir gedauert?
00:23:48: Es waren schon ein paar Jahre.
00:23:49: also ich habe im Jahr zwanzig dann intensiv mit der Suche angefangen oder eigentlich schon Ende zwei tausend neunzehn habe mich dann relativ schnell entschieden.
00:23:57: mit dem an Beginn der Pandemie war es ein bisschen schwierig noch an die Robert Koch Daten zu kommen, weil das Robert Koch Institut natürlich da ab März zwentausundzwanzig in einige andere Prozesse involviert war bis zur Veröffentlichung.
00:24:09: Der Papier hat es dann auch jeweils zwei Jahre gedauert.
00:24:12: also man arbeitet dann mit den Daten ervorstand quasi Die Ergebnisse, erstmal hat dann bespricht man das auf Fachtagungen und Konferenzen.
00:24:21: Mit KollegInnen holt sich Feedback ein um eben wirklich sicherzustellen dass man alle möglichen Einflüsse- und Auswertungsprobleme berücksichtigt hat um am Ende sagen zu können okay das hier ist ein hieb- und stichfestes Ergebnis.
00:24:37: Das kann man jetzt irgendwie an die Öffentlichkeit bringen.
00:24:39: Und was hast du gemacht?
00:24:41: Was ist denn dein hieb- und stichfestes Ergebnis dieser Forschung?
00:24:45: Das ist tatsächlich erstmal, dass wir mit den Gesundheitsmessungen, die wir benutzt haben vor allem negative Auswirkungen der Wendezeit für die Frauen unter den Wändekindern gefunden haben.
00:24:57: Also wir haben herausgefunden, dass die Frauen beispielsweise häufiger psychische Beeinträchtigungen im Alltag bemerken selber bei sich verglichen mit den westdeutschen Vergleichsgruppen Bei den Männern finden wir das zum Beispiel nicht.
00:25:12: In der körperlichen Gesundheit haben wir auch nichts gefunden erst mal, aber das ist auch nicht so verwunderlich denn wir haben uns ja die Wändekinder im jungen Erwachsenenalter angeschaut und da sind im Schnitt junge Menschen einfach noch relativ gesund.
00:25:24: also das könnte erstmal nur bedeuten dass es zumindest noch keine oder in dem Alter noch keine großen körperliche Beeinträchtigungen gibt was ja erst einmal gut ist.
00:25:33: bei den psychischen finden wir eben etwas für die Frauen.
00:25:37: Wenn wir uns die stressbezogenen Gesundheitsmerkmale anschauen aus der Robert-Koch-Studie, da haben wir uns Stoffwechselgesundheit angeschaut.
00:25:46: Also verschiedene Messungen wie dem Blutdruck, Blutfettwerte aber auch den Bodymassindex.
00:25:51: Da finden wir wieder das vor allem die Frauen und den Wendekinnern ein deutlich erhöhte Wertehaben also besonders beim Blut druck Und das ist natürlich das sind jetzt wert nicht klinisch.
00:26:04: Wir können nicht sagen, die Frauen unter den Wändekindern haben eine krankhafte Stoffwechselgesundheit.
00:26:10: Aber der Blutdruck ist schon erhöht und das im jungen Erwachsenenalter.
00:26:14: Das heißt wir können davon ausgehen dass sich dieser Unterschied zu den westdeutschen Vergleichsgruppen wahrscheinlich über den Lebensverlauf erhöht.
00:26:22: Und dann eventuell auch im höheren Alter zu einer deutlich größeren Krankheitsbelastung vielleicht wenn eine Kinder führt.
00:26:32: Und hast du gerade davon gesprochen, dass eure Ergebnisse vor allem Frauen betreffen?
00:26:37: Hast oder siehst Du Gründe dafür warum das so sein könnte?
00:26:41: Also
00:26:41: erstmal glaube ich persönlich nicht, dass die Männer unter den Wendekindern nicht betroffen sind.
00:26:46: wir finden es zwar in den Daten in diesem Gesundheitsmessung, die wir benutzt haben nicht aber das kann ganz andere Gründe haben und das ist auch etwas Systematisches was sich mit ähnlichen Gesundheitsmessungen auch in anderen Studien immer wieder zeigen lässt.
00:27:00: Das bestimmte Gesundheitsmessen sind bei Frauen viel ausschlaggebender, andere beim Männern und das hat aber etwas mit dem Lebensstil zu tun und bestimmten geschlechter spezifischen Verhaltensweisen die wir schon von ganz ganz klein an lernen also beispielsweise Frauenrollen des Frauen eher dazu oder kleine Mädchen ja schon eigentlich eher dazu angehalten werden, harmonisch zu sein.
00:27:23: Eher soziale und emotionale Kompetenzen zu Schulen und zu entwickeln und gefördert werden.
00:27:29: Und bei Männern oder Jungs in dem Fall bestimmte Verhaltensweisen nicht sanktioniert werden bzw.
00:27:35: gefördert werden wie das Wildsein und auch mal raufen.
00:27:38: Natürlich soll es nicht so sein dass man sich immer nur rauft aber es wird dann eher toleriert und ein bisschen abgetan als achja sind halt Jungs.
00:27:46: Und gerade in stressigen Zeiten weiß man, dass Mädchende eben durch dieses Anerlernte oder auch junge Frauen durch dieses anerlerne Verhalten der Harmonie dann auf eher dazu neigen ihre negativen Geschülle.
00:27:59: Oder wenn es ihnen nicht gut geht mit sich auszumachen, eher nach innen zu kehren.
00:28:04: Der Begriff dafür in der Psychologie wäre Internalisierung und Männern oder Jungs neigen dann eher dazu das nach außen zu kehre, wenn's ihnen eben nicht gutgeht weil das toleriert wird von unserer Gesellschaft.
00:28:16: Na ja, so ausfälliges Verhalten.
00:28:18: Externalisierung spricht man da an der Psychologie ist dann in Ordnung und man weiß aus ganz viel anderer Forschung dass das eben dazu führen kann, dass Frauen durch dieses ... naja, Probleme in sich rein fressen eher mit sich ausmachen, dass auch wirklich zu ganz deutlich schwereren Verläufen von psychischen Erkrankungen führen können.
00:28:38: also Das könnte ein Grund sein warum wir bei den Männern und den Wendekindern
00:28:47: war das denn ein Ergebnis, was du erwartet hast als an die Forschung herangegangen bist?
00:28:52: Ja.
00:28:53: Da hab ich mich voll miteinander gesetzt.
00:28:55: Ich hab auch ganz bewusst von Anfang an gesagt, ich möchte Männer und Frauen oder Jungs und Mädchen hier getrennt analysieren aus dem Grund, dass es da ganz unterschiedliche Verarbeitungsmechanismen mit geschlechter Rollen zusammenhängen, dass's die eben gibt.
00:29:11: Das haben wir am Beginn berücksichtigt.
00:29:15: was mich überrascht hat, war das wir uns auch angeschaut haben.
00:29:18: Ich habe ja eben schon kurz erzählt es gab große Wanderungsbewegungen aus den ostdeutschen Gebieten Richtung Westdeutschland Anfang der neunzigundneinziger Jahre und da konnten wir tatsächlich auch in einem der Datensätze untersuchen ob die Kinder quasi nicht die ganze Zeit vor Ort waren in Ostdeutsche Land sondern nur diesen initialen Schock die ersten stressigen Monate mitgemacht haben ob die vielleicht ein weniger starker Effekt eben durch diese Wiedervereinigungsproblematiken und Naja, Übergangskrise hatten.
00:29:50: Und da haben wir gefunden das ist überhaupt keine Rolle gespielt hat also dieser ersten Diese erste Zeit nach der Wiedervereinigung wo es direkt sehr große wirtschaftliche Einbrüche und wahrscheinlich sehr großen Stress gab der dann überhaupt ja nur die Familien dazu bewegt hat wahrscheinlich ihre Heimat zu verlassen dass das wirklich wie so eine Art Päckchen den Kindern mitgegeben wurde und sich dann immer noch später in der Gesundheit zeigt.
00:30:13: Gab es dann auch direkte Reaktionen von Menschen aus Ost- und Westdeutschland, nachdem du deine Ergebnisse veröffentlicht hast?
00:30:19: Ich hatte bereits ein paar persönlichere Gespräche.
00:30:23: Auch Erfachtagungen von eben wissenschaftlichen KollegInnen oder auch KollegInn aus mehr so der Politik und angewandten Forschung die dann auch persönliche Erfahrungen geteilt haben gesagt haben ah was was du hier berichtest das resoniert total mit meiner eigenen Erfahrung.
00:30:43: Und dann nach der Veröffentlichung gab es auch einige Menschen aus der Bevölkerung, die mich einfach angeschrieben haben.
00:30:49: Also ich hab E-Mails bekommen von Menschen, die gesagt haben, ich habe ihre Studie hier in dieser Zeitung gesehen und sehe mich da total drin wieder und die dann auch so ein bisschen erzählen okay das erklärt vielleicht schon noch einige meiner heutigen Probleme.
00:31:04: aber das ist natürlich alles wie man so schön sagt anekdotische Evidenz.
00:31:08: dennoch ist es irgendwie schön wenn man merkt dass Man mit der eigenen Forschung auch wirklich Menschen bewegt und irgendwie vielleicht auch ein gesellschaftlich relevantes Thema
00:31:18: ansprechen.
00:31:19: Du hast mich schon verabverraten, es gibt ein Album das du mit dieser Zeit verbindest migration von Bonobo.
00:31:25: warum genau dieses Album?
00:31:27: also
00:31:27: ich habe eben schon angesprochen was Migration ein ganz wichtiger oder wesentlicher Teil von dieser Disziplin der Demografie oder Bevölkerungswissenschaften ist Und ich finde es irgendwie Ich finde dieses Album als Ganzes.
00:31:41: Also ich habe das auch als Schallplatte und hab mir das so halt häufig als ganzes angehört, dann schallplatt gewendet im Homeoffice wenn man nicht so viel sonst zu tun hat falls ausgangssperre ist in der Pandemie erinnern wir uns alle nicht mehr so gut dran aber so war das ja damals tatsächlich.
00:31:57: Genau ich find einfach die Stimmung in dem Album das Spiegel total... Oder für mich zumindest resoniert das total gut mit dieser Idee von Migration und auch verschiedene Emotionen, die vielleicht damit einhergehen.
00:32:08: Auch ein bisschen dieses Gedrungene – und das ist ja auch wiederum Teil der ostdeutschen Wendegeschichte, dass eben da viele Menschen dann aus Sorge vor der Zukunft schnell gegangen sind und nicht immer nur mit positiven Erfahrungen in den Herd gegangen sind sondern vielleicht auch da viele Sorgen und Ängste zusammen.
00:32:28: Und ich finde, das Album spiegelt das irgendwie wieder.
00:32:30: Aber gleichzeitig hat es dann auch wieder so einen positiven Ausblick.
00:32:35: In einem Sorgen von diesem Bonobo-Album hören wir jetzt kurz rein, dass der ist in no reason.
00:33:43: Lara, deine Arbeit zu den Wendekindern hatte ja auch, habe ich gesehen, ein großes Medienecho zum fünfunddreißigsten Jahrestag des Mauerfalls ausgelöst.
00:33:51: Zum Beispiel hat er die London Times berichtet?
00:33:55: Wie war das für dich?
00:33:56: Ich stelle mir das ja aufregend vor.
00:33:59: Das Interesse an der Wendekinderforschung direkt nach Veröffentlichungen war eher Verhalten, muss ich sagen?
00:34:04: Also ... Ich hab nicht diese wissenschaftlichen Artikel veröffentlicht und dann sind mir die Medien irgendwie die Tür eingerannt.
00:34:11: Sondern erst mal kam da relativ wenig Interesse.
00:34:14: Weil einfach so das Bewusst- ... Die Forschungslandschaft ist ja riesig!
00:34:17: Und nicht alle Journalisten können immer alles auf dem Schirm haben.
00:34:21: Letztes Jahr war es dann irgendwie anders.
00:34:24: Und das war auf jeden Fall sehr interessant.
00:34:26: Was ich am spannendsten irgendwie fand, war noch mal so dieser wirklich Blickwinkel auf die Forschung.
00:34:32: Warum sollte das die Bevölkerung interessieren und was können wir jetzt daraus lernen?
00:34:36: Und gerade das, was können weh daraus lernen?
00:34:38: Das war ein Gespräch mit der London Times super spannend denn... Ich meine, was hat London mit der Wiedervereinigung zu tun?
00:34:45: Erstmal denkt man, dass es ja komisch sind, die einfach nur interessiert daran Aber was ja in England oder im Verein Königreich gerade auch ein ganz großes Thema ist mit der wirtschaftlichen Lage und auch der Haushaltslage, die Regierung.
00:34:59: Ist ja wirklich das viele Einsparungsmaßnahmen vorgesehen sind in den Sozialleistungen oder auch umgesetzt werden schon seit einigen Jahrzehnten.
00:35:07: Und dass besonders schwächere Regionen sehr stark darunter leiden also wirtschaftlich schwächeren Regionen.
00:35:12: Und gerade unter dieser Perspektive kann man doch viele parallelenziehen zur Wiedervereinigungsgeschichte in Deutschland.
00:35:21: Auch wenn man sich heute anschaut, wie sich die ostdeutschen Bundesländer strukturell entwickelt haben, da gibt es ja einfach große Unterschiede zu Westdeutschland.
00:35:28: und man kann wahrscheinlich auch nicht verleugnen dass die Art und Weise wie die Wiederverreinigung abgelaufen ist, da auch ihren Teil zu beigetragen hat.
00:35:35: Und weil man sich dann überlegt das das so langwierige Folgen für die Gesundheit der Menschen hat naja wirtschaftlich oder schlechten Umständen ausgesetzt sind und dann noch irgendwie politisch wenig unterstützt werden können, weil eben Haushaltslagen das nicht hergeben.
00:35:54: Da kann man glaube ich schon sehr viele Schlüsse auch ziehen darüber was so Einsperrungsmaßnahmen und wirtschaftlicher Rückgang in Regionen mit ganzen ja ja Kohortengeburtenjahrgängen kollektiven Gesellschaftsteilen machen kann.
00:36:10: Aktuell arbeitest du gerade am WZB, dem Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung und Forsch zum Zusammenhang von Familie und Krankheit.
00:36:19: Kannst du kurz erzählen, womit du dich dort gerade konkret beschäftigst?
00:36:23: Und ob die wende Kinder dabei immer noch eine Rolle spielen?
00:36:27: Also ich beschäftige mich an WZP grade insbesondere mit dem Zusammenhang der richtig sackerst-Familie.
00:36:40: unterschiedlichkeiten.
00:36:41: und da schauen wir uns eben vor allem die struktur an.
00:36:44: also es gibt ja verschiedene arten von familienform.
00:36:47: ich glaube die gängigste oder was woran wahrscheinlich alle zuerst denken ist da sind zwei eltern und die haben einige kinder oder einkind mehrere kinder und das ist aber gar nicht unbedingt so die norm in unserer gesellschaft.
00:37:00: Natürlich braucht man zwei Menschen, um ein Kind zu bekommen irgendwie.
00:37:04: Aber ganz häufig wachsen Kinder nur mit einem Elternteil auf oder mit einem Leiblichen und einem Stiefelternteil auf oder auch Geschwistern die nur halbgeschwister oder stiefgeschwisters sind oder Wachsen in mehr generationalen Haushalten auf also vielleicht mit einem elternteilen und zwei Großelternteilen noch oder... Und dann gibt es eben bestimmte Events im Lebenslauf.
00:37:26: diese Unterschiede der Struktur bedingt also beispielsweise müssen sich erst mal zwei Menschen zusammentun, eine Familie gründen.
00:37:33: Dann ist die vielleicht gegründet und hält die Beziehung nicht oder durch Schicksalsschläge bricht dann die Familie auseinander.
00:37:40: Die Familienkonstellation ändert sich.
00:37:41: Und das sind alles super große Umbrüche, die die Gesundheit von vielen Familienmitgliedern belasten können aber auch stärken können.
00:37:51: Das sind so Themen mit denen ich mich gerade beschäftige.
00:37:55: Wenn eine Kinderforschung ist da sehr ähnlich, da ich mir ja am Prinzip auch Stress in der Familie angeschaut habe und wie sich das auf die Gesundheit von Menschen auswirkt.
00:38:03: Und jetzt schaue ich mir auch irgendwie Stress an der Familie an.
00:38:06: aber vielleicht ist die Ursache vom Stress weniger auf einer politischen staatlichen Ebene sondern eher dann auf der Familienebene direkt.
00:38:14: Aber eigentlich ist der Wirkmechanismus ähnlich.
00:38:17: Es gibt eben stressiges Event, stressige Zeiten.
00:38:20: Das wirkt sich auf die Ressourcen von Familien aus und dann auch darauf viel Unterstützung innerhalb der Familie verteilt werden kann.
00:38:28: Und das kann eben beim Individuum dafür sorgen, also bei individuellen Menschen, dass sie gesundheitlich sich schlechter oder besser entwickeln.
00:38:36: Du hast ein Song mitgebracht, der dich aktuell bei deiner wissenschaftlichen Arbeit begleitet, Vater von Acopia.
00:38:42: Was magst du an dem Song?
00:38:43: Das
00:38:43: ist jetzt irgendwie gar nicht so genau ... Mit meiner Forschung vielleicht zusammenzubringen.
00:38:48: Aber ich mag die Stimmung ganz gerne!
00:38:50: Also es ist sowohl irgendwie ruhig, aber es schwingt ja doch so ein bisschen eine melancholische Stimmung mit und ich finde das ist manchmal auch wie's vielleicht in meiner Forschung ist.
00:39:00: Also das ist jetzt keine aufregende Laborforschung.
00:39:03: Ich sitze meistens ruhig vor dem Computer und schaue mir alles an und dann sind manchmal die Ergebnisse da und betrachte erst mal ganz neutral und sagt dann ahja hier haben wir negative Gesundheits Messungen und dann merkt man auch so, aber das sind Menschen die wir hier angucken.
00:39:18: Und es ist vielleicht gar nicht so... Also das muss man dann immer wieder berücksichtigen dass es hier tatsächlich echte Leben geht über die man spricht und darüber sollte man sich irgendwie auch bewusst
00:39:28: sein.
00:39:35: Lara du selbst wirst Jahrgang in der drei neunzig hast du mir verraten?
00:40:20: Gibt es denn etwas was jetzt besonders am WZB deine deine Arbeit als junge Forscherin besonders macht?
00:40:27: Ich glaube, ich bin in einer sehr privilegierten Position hier am BZB.
00:40:32: Es ist doch so eine deutsche Wissenschaft das es sehr unterschiedliche Standards gibt wie gut Stellen gefördert sind also je nachdem aus welchen Mitteln eben Stellen für junge Nachwuchs- wissenschaftler finanziert sind.
00:40:45: und ich habe das Glück dass ich im dritt Mittelprojekt angestellt bin das heißt es wurde ein großer großes Forschungsground nennt man das, akquiriert von meinem Chef eben und KollegInnen von ihm.
00:40:58: Und dadurch konnte er mich anstellen.
00:40:59: Das heißt ich habe eine hundert Prozent Stelle – das ist auch nicht immer so selbstverständlich – und hab ausreichend Mittel sowohl auf Fachtagungen in Konferenzen zu fahren um meine Forschung vorzustellen die... und dass es meistens nicht in Berlin sondern in anderen Städten oder manchmal sogar in anderen Ländern ...das ist super!
00:41:18: eine super große Freiheit, wie ich mein Tag gestalte.
00:41:21: Also genau es ist sehr abwechslungsreich aber ich such mir das eben auch selber aus und das ist ein sehr großes Privileg und ich bin sehr dankbar dafür.
00:41:30: Gibt es dann einen Tipp den du jungen Forschenden mit auf dem Weg geben möchtest damit dass vielleicht weniger stressig wird?
00:41:36: Ja
00:41:36: sowas was mich eigentlich immer sehr motiviert und auch meinen Stress glaube ich in Grenzen hält dass ich das, was ich mache, dass mir das total viel Spaß macht.
00:41:45: Und ich mich auch versuche darauf zu konzentrieren.
00:41:48: Also ... Ich find es ist super.
00:41:49: das Privileg, dass man einen Job hat, wofür man bezahlt wird jeden Tag der ein inhaltlich interessiert und wofül man irgendwie brennt?
00:41:57: Das ist so etwas, woran ich mich immer festhalte.
00:41:59: Und das andere ist, dass sich für mich entschieden habe, wenn das mit der wissenschaftlichen Forschung nicht klappt, dann ist das okay!
00:42:06: Das System arbeitet gegen uns.
00:42:08: Man kann noch so gut sein und alles toll machen, wenn es keine Stellen gibt dann ist das vielleicht auch in Ordnung was anderes zu machen.
00:42:15: Was ich gerade während dieser ganzen Öffentlichkeitsarbeit gemerkt habe ist dass man hat super viele Kompetenzen entwickelt in der Ausbildung eben zur Wissenschaftlerin Dass wir uns eigentlich gar keine Sorgen machen müssen, dass unsere Kompetenz nicht anderswo gefragt sind.
00:42:30: Und ich glaube eben auch dass es super spannende Jobs gibt die wissenschaftsnah sind nicht in der Wissenschaft sind, also beispielsweise für Politiker in Studien lesen können und auch Schlüsse daraus ziehen können oder in Minsterien arbeiten.
00:42:43: In NGOs, auch in Unternehmen die viel mit der Öffentlichkeit zu tun haben.
00:42:47: Also ich glaube da gibt es sehr viele Optionen und ich glaub mit auf den Weg geben würde ich dann dass man probiert sich das offen zu halten und das gar nicht so als Versagen sieht sondern einfach okay wenn das Systemwissenschaft dann vielleicht kein Platz mehr vereint hat oder man auch selber keine Lust mehr darauf hat, eben immer darauf zu hoffen, dass man irgendwann mal eine entfristete Stelle bekommt.
00:43:06: Dann ist es auch voll gut rauszugehen und man nimmt ... Man kann sehr viel mitnehmen und das sind keine verlorenen Jahre oder so.
00:43:12: Aktuell bist du noch in diesem System Wissenschaft?
00:43:14: Wie du's nennst, hast du denn konkrete Pläne für deine akademische Zukunft?
00:43:19: Ich find's supercool wenn ich diesen Job weitermachen kann weil mir das einfach super viel Spaß macht.
00:43:24: Das Ding hoffe ich, vielleicht entweder die Möglichkeit für mich gibt, eine Nachwuchsforschungsgruppe zu leiten in dem ich entweder selber Gelder akquiriere oder diese eben über ein Institut zur Verfügung gestellt bekomme und dann eben auch meine Forschung zur Familiendiversität und Gesundheit weiter ausbauen kann.
00:43:43: Oder vielleicht sogar die Chance bekommen, eine Professur anzunehmen und dann meine Forschungen weiter vorantreiben kann.
00:43:49: Ein Teil davon ist auch das Wissen, dass sich eben über meine Ausbildung erlangt habe dann auch an junge Studierende weiterzugeben.
00:43:57: Also das sind so die beiden Optionen, können wir beides gut vorstellen und hoffe einfach dass ich das auf dem Arbeitsmarkt ergibt.
00:44:04: mal sehen.
00:44:05: Daumen sind auf jeden Fall gedrückt.
00:44:06: dafür.
00:44:07: zum Abschluss hast du noch ein Song mitgebracht, der dich in den Feierabend begleitet wenn die Wissenschaft vielleicht mal kurz bei Seite geschoben wird.
00:44:15: von DAVEDAUST heißt der Song was magst du daran sehr gern?
00:44:19: Ich
00:44:19: liebe die Energie von diesem Song.
00:44:21: Also es hängt erst mal so ein bisschen low an und auch wenn man so ein bißchen energielos ist, kann man da erstmal reinhören.
00:44:26: Und das überwältigt einen nicht direkt.
00:44:28: aber dann wird's doch irgendwann auch schnell und irgendwie ich höre das total gerne auf dem Fahrrad, wenn ich nach Hause fahre nach der Arbeit oder auch ja einfach auch wenn ich im Homeoffice bin und irgendwann sage okay jetzt reicht es muss ich mal aufhören zu arbeiten nachmittags oder abends Dann ist es so'n guter Song den Arbeitstag abzuschließen und in den Feierabend reinzustarten.
00:44:50: Nara, es war toll mit dir über deine Forschung zu sprechen.
00:44:53: Ich danke dir herzlich!
00:44:54: Danke, dass ich da sein dürfte – das war sehr
00:44:56: cool.
00:45:06: In der nächsten Folge von Listen to Wissen ist der Molekularbiologe Felix Lansing
00:45:10: zu Gast.
00:45:11: Er forscht an genetischen Defekten und daran wie man sie eines Tages vielleicht direkt an ihrer Ursache beheben kann.
00:45:19: Dafür entwickelt er eine Methode,
00:45:20: mit der sich Veränderungen
00:45:21: im Erbgut gezielter korrigieren lassen.
00:45:26: Wir sprechen darüber, was ein Gendeffekt überhaupt ist, was dabei im Körper passiert und welche Chancen die moderne Genforschung heute eröffnet.
00:45:34: Gleichzeitig geht es auch um die Frage, wo die Grenzen solcher Eingriffe liegen – wissenschaftlich aber auch ethisch?
00:45:41: Dazu hat Felix
00:45:41: Musik mitgebracht, die ihn
00:45:43: und seine Arbeit begleitet!
00:45:45: Das hört ihr in der nächsten Folge von Listen to Wissen.
00:45:57: Redaktion Nina Ritter, Natalina Schröder, Friederike Schneider und Liz
00:46:02: Remter.
00:46:03: Produktion Liz Remtor und Danny Steinmeier.
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